| |
Heute benutzt man bei der Walkherstellung große
Spezialwaschmaschinen. Unter dem Einfluss von Wärme und
Wasser bricht die Schuppenstruktur der Wolle auf, die man sich
wie einen Tannenzapfen vorstellen kann. Die in einem Gestrick
bzw. Gewebe nebeneinanderliegenden Fasern verhaken sich
ineinander. Außerdem zieht sich jede einzelne Wollfaser
zusammen. Die Wolle verfilzt und das Gestrick geht in Länge
und Breite um bis zu vierzig Prozent ein. Dabei werden unzählige
winzige Luftkammern im Stoff eingeschlossen.
Walken verleiht der Wolle Eigenschaften, die die Vorteile purer
Natur mit den Klimaqualitäten einer modernen Microfaser
verbinden. So bleibt die Temperatur im Inneren einer Walkjacke
auch bei kühlem Wetter nahezu konstant, da die
eingeschlossenen Luftkammern wie eine Pufferzone wirken.
Selbst bei Regen und Schnee ist Walk ein ausgezeichneter
Wetterschutz, da die Materialverdichtung durch das Walken
zusätzlich dazu beiträgt, dass Tropfen von der Stoffoberfläche
abperlen. Außerdem kann Schafwolle rund sechzig Prozent ihres
Eigengewichts an Wasser aufnehmen, bevor sie beginnt, sich
feucht anzufühlen. Walkstoffe sind besonders strapazierfähig,
|
|
da das kunstvolle Verfilzen die natürliche Zug- und Scheuer-
festigkeit der Wolle wesentlich erhöht.
Und sie sind besonders bequem, da sich Walkstoff - anders als
Loden - auch dehnen lässt.
Kurz: Ein Traumstoff zum Verlieben.
Wie fein und leicht ein Walkstoff wird, hängt zum einen von der
verwendeten Wolle ab, ihrer Feinheit und Elastizität, der Länge
und Kräuselung ihrer Fasern und von der Spinnart des Garns
(Kamm- oder Streichgarn). Zum anderen von der Technik des
Walkens, die von den Walkspezialisten immer weiter verfeinert
und wie ein Geheimnis gehütet wird.
Nur so viel sei verraten: Ganz gleich ob es sich um seinen
federleichten Superleichtwalk, seinen cashmeresoften
Flauschwalk, seinen rustikalen Jagdwalk oder eine der rund 50
anderen Geiger Walkarten handelt: Walk aus Schwaz heißt
nicht ohne Grund Naturwalk. Denn bei seiner Herstellung spielt
nichts anderes eine Rolle als Wolle, Wärme, Wasser und eine
Spur von Kernseife um die Spinnöle aus den Garnen zu lösen.
Das "Kalandern" oder "Dekatieren" ist der Schlusspunkt bei der
Walkherstellung. Dabei wird der Walk abermals unter Einfluss
von Wärme, Dampf und Druck durch rotierende Walzen geglättet
bzw. gepresst. Diese Fixierung beugt nachträglichem Eingehen
durch Nässe vor.
Danach ist der Stoff "nadelfertig", das heißt: bereit zur
Verarbeitung zu den Geiger Jacken, Gilets und Mänteln, die
heute in 39 Ländern der Welt Furore machen.
|
|